Rekommunalisierung

Der Begriff der Rekommunalisierung meint im Strommarkt in erster Linie das Bestreben vieler Städte und Gemeinden, den Konzessionsvertrag mit einem Regionalversorger nicht zu verlängern, sondern die Leitungsnetze für Strom oder Gas wieder selbst zu bewirtschaften. Eine zweite Bedeutung des Begriffs umfasst zusätzlich das Auftreten der Kommune als Stromlieferanten, obgleich die Aufgabe der Grundversorgung oft schon viele Jahre vor der Liberalisierung des Strommarktes an einen der großen regionalen Versorger abgetreten wurde. Die einzelnen Gemeinden sind dank ihres Aktienbesitzes Anteilseigner der entsprechenden Regionalversorger. Dennoch treten sie immer häufiger mit ihnen in den Wettbewerb, indem die entsprechenden Stadtwerke ebenfalls attraktive Stromtarife anbieten.Zusätzlich nutzen sehr viele Städte die Möglichkeit der Erzeugung regenerativer Energien durch Sonnenkollektoren und Windräder.

Grundversorger wird der Lieferant, welcher in einem Gebiet die meisten Kunden versorgt. Damit führt die Rekommunalisierung des Stromnetzes nicht automatisch dazu, dass das Versorgungsunternehmen der entsprechenden Kommune die Grundversorgung übernimmt. Den Status als Grundversorger behält in der Regel das bislang über diesen verfügende Unternehmen, da sich sehr viele Kunden aus Bequemlichkeit weiterhin bei diesem anmelden.Dennoch ist die Rekommunalisierung für viele Städte und Gemeinden nicht nur ein ideales Mittel, um Einnahmen durch den Betrieb der Verteilnetze zu erhalten. Ihr Angebot zur Stromlieferung ermöglicht den Bürgern, sich für ein Produkt zu entscheiden, bei welchem er die Stromrechnung letztendlich an sich selbst als Einwohner der Stadt bezahlt. Die Rekommunalisierung sowohl der Verteilnetze als auch durch das zunehmende Auftreten von Stadtwerken als Stromversorger ist zu begrüßen, da die Gewinne für wichtige kommunale Aufgaben eingesetzt werden können. Städte und Gemeinden erhalten zwar in ihrer Eigenschaft als Aktionäre großer Stromkonzerne Dividenden, diese stellen jedoch nur einen geringen Teil der möglichen Gewinne durch die eigenverantwortliche Übernahme der Stromnetze dar. Die großen Energieversorger bewerten die Rekommunalisierung der Strom- und Gasnetze kritisch, da ihrer Meinung nach nur große Netze wirtschaftlich betrieben werden können. Vermutlich befürchten sie Einnahmeausfälle durch die Nichtverlängerung zahlreicher Konzessionsverträge.

Aktien von Energieversorgern

Die Aktienkurse der großen an der Börse notierten Energieversorger RWE, EON und EnBW weisen durchaus größere Schwankungen auf und sind nach den Vorfällen im japanischen Atomkraftwerk ebenso gefallen wie nach der für die Erzeuger kostspieligen Verlängerung der Laufzeit deutscher Atomkraftwerke. Die Höhe der jährlichen Dividende ist jedoch bei den genannten Energieversorgern im Vergleich zu anderen börsennotierten Unternehmen überdurchschnittlich hoch, auch wenn die Aktionäre der EnBW nach einer einmaligen Zunahme ihrer Dividendenrendite bereits im Folgejahr erneut das Absinken der Dividendenzahlung auf den langjährigen Mittelwert hinnehmen mussten. EON und RWE zahlen gleichbleibend hohe Dividenden, eine vorübergehende Erhöhung des Betrages bei der RWE vor wenigen Jahren beruhte auf ausdrücklich genannten Sondererlösen durch den Verkauf von Unternehmensbeteiligungen.

Auch in Zukunft ist damit zu rechnen, dass die Aktien der großen Energieversorgungsunternehmen eine gute bis sehr gute Rendite abwerfen. Sowohl bei der RWE als auch bei der EON Aktie ist eine Dividendenrendite in Höhe von mindestens fünf Prozent regelmäßig zu erwarten, während das Wertpapier der EnBW zumindest eine vierprozentige Rendite erwarten lässt.

Zusätzlich bietet der Aktienbesitz dem Anleger die Möglichkeit, durch die Teilnahme an der Hauptversammlung oder das anderweitige Ausüben des Stimmrechts Einfluss auf Unternehmensentscheidungen zu nehmen. Naturgemäß sind die Einflussmöglichkeiten kleiner Anleger bei einer Aktiengesellschaft sehr gering, das Rederecht auf der Hauptversammlung wird jedoch bereits mit dem Besitz einer einzigen Aktie erworben.

Die Aktien der Energieversorger sind auf Grund ihrer regelmäßig hohen Dividenden-Ausschüttungen besonders für Anleger interessant, welche sich bei ihrer Anlagestrategie in erster Linie nicht von möglichen Wertsteigerungen leiten lassen, sondern überwiegend auf das Erzielen einer guten und regelmäßigen Dividende achten.

Qualitätsunterschiede bei Stromversorgern

Qualitätsunterschiede zwischen den Versorgern beziehen sich nicht auf den konkret gelieferten Strom, zumal für dessen gleichbleibende Qualität der Netzbetreiber verantwortlich ist. Sollte es in Teilen eines Versorgungsgebietes zu einem Stromausfall kommen, sind alle Verbraucher der entsprechenden Region davon betroffen. Dabei ist es unwichtig, von welchem Anbieter sie ihren Strom beziehen.

Auch wenn jeder Verbraucher den vom Netzbetreiber zur Verfügung gestellten Strom erhält, kann er durch seine Produktwahl die Gesamtmenge des nach seinem Wunsch erzeugten Stroms beeinflussen. Wenn sich ein Verbraucher für Strom aus erneuerbaren Energien entscheidet, muss sein Lieferant den entsprechenden Strombedarf auf dem Markt einkaufen. Wer Ökostrom als gegenüber Atomstrom qualitativ höherwertig ansieht, verbessert durch den Abschluss eines entsprechenden Stromlieferungsvertrages die Qualität der in Deutschland insgesamt gelieferten Strommenge.

Die wichtigsten Qualitätsunterschiede zwischen den unterschiedlichen Stromversorgern zeigen sich in der Kundenbetreuung. Während einige Anbieter nur zu den typischen Bürozeiten erreichbar sind, besetzen andere Versorger ihr Call-Center vom frühen Vormittag bis in den späten Abend. Nicht unerheblich für die Bewertung der Betreuungsqualität des Stromlieferanten sind auch die Kosten für einen Anruf. Idealerweise bietet dieser eine auch vom Mobiltelefon erreichbare kostenlose Rufnummer mit der Vorwahl 0800 an. Eine 01802-er Vorwahl ist für den Festnetzkunden sinnvoll, da er für jeden Anruf nur sechs Cent bezahlt; Handynutzern sollte eine Service-Rufnummer mit örtlicher Vorwahl genannt werden.
Die Bearbeitung der schriftlichen Eingaben erfolgt bei einigen Stromversorgern sehr schnell, während andere Anbieter sich zum Teil sehr viel Zeit lassen.

Ein weiteres Qualitätskriterium stellt die Kundenfreundlichkeit der Bearbeitung von Kundenwünschen dar. Ein guter Stromanbieter ermöglicht eine zinsfreie Ratenzahlung, wenn die Jahresrechnung höher als erwartet ausfällt. Für den Kunden positiv ist auch die Möglichkeit, in Ausnahmefällen erfolgreich um die Stundung oder Verschiebung eines Abschlagbetrages bitten zu können.
Auch die Übersichtlichkeit und die Verständlichkeit der Jahresrechnung erweisen sich als wichtige Qualitätsunterschiede zwischen einzelnen Stromversorgern.
Wenn der Anbieter neben einem guten und schnellen Kundenservice kostenlose Broschüren zum Energiesparen anbietet, rechtfertigt die hervorragende Service-Qualität durchaus einen geringfügigen Preisaufschlag.

Die Sechs-Wochen-Frist nach dem Einzug

Was bedeutet die Sechs-Wochen-Frist nach einem Einzug?

 

Jeder Kunde hat das Recht, nach dem Einzug in eine neue Wohnung einen Stromanbieter zu wählen. Sofern keine rechtzeitige Wahl getroffen wird, tritt automatisch die Grundversorgung ein.Für das Suchen nach einem frei gewählten Lieferanten besteht eine Sechs-Wochen-Frist, welche in der Praxis häufig missverstanden wird. Die genannten sechs Wochen beziehen sich nicht darauf, dass der Neubezieher einer Wohnung sich innerhalb dieser Zeit bei einem beliebigen Stromversorger anmeldet. Die gesetzliche Regelung besagt vielmehr, dass spätestens sechs Wochen nach dem Einzug dem Netzbetreiber die Anmeldung eines Lieferanten vorliegen muss. Als Einzugsdatum gilt dabei nicht der Beginn des Mietvertrages, maßgeblich ist vielmehr der Termin der Schlüsselübergabe. Wegen der Sechs-Wochen-Frist darf der Vermieter seinen Mieter erst nach Ablauf von zweiundvierzig Tagen nach der Übergabe der Wohnung anmelden. Eine Ausnahme besteht bei Wohnungsbaugesellschaften, welche sich im Mietvertrag das Recht zur Anmeldung ihrer Mieter genehmigen lassen.

Viele Lieferanten geben eine Bearbeitungszeit von bis zu sechs Wochen für die Anmeldung eines Kunden beim Einzug in eine neue Wohnung an, so dass der Vertrag im Idealfall bereits vor dem Umzug unterschrieben wird.

Wenn dem Verteilnetzbetreiber sechs Wochen nach dem Einzugsdatum eines Kunden keine Anmeldung eines gewählten Versorgers vorliegt und er vom Einzug erfährt, nimmt er eine automatische Anmeldung beim Grundversorger vor. Die Feststellung, dass ein Strombezieher unangemeldet einen Zähler benutzt, erfolgt in den mit Abstand meisten Fällen im Rahmen der jährlichen Zählerablesung. Eine andere Möglichkeit besteht im Anschreiben der Vermieter bei Leerständen.

Wenn seitens des Kunden keine Anmeldung vorgenommen wurde, erfolgt die Berechnung nach der Ermittlung des Kunden durch den Netzbetreiber in der Regel zum Abmeldedatum des Vormieters, da das tatsächliche Einzugsdatum nicht festgestellt wird. Eine nachträgliche Änderung wird zumeist mit der Begründung abgelehnt, dass der Kunde seiner Pflicht zur Anmeldung nicht nachgekommen sei.Tatsächlich ist jeder Strombezieher dazu verpflichtet, sich innerhalb von sechs Wochen nach dem Bezug einer Wohnung bei einem gewählten Lieferanten oder dem Grundversorger anzumelden.

Stromanbieter und die Einzugsermächtigung

Kann der Versorger auf einer Einzugsermächtigung bestehen?

Die Bezahlung der Energiekosten mittels einer Einzugsermächtigung ist für den Kunden bequem, da er sich nach ihrer einmaligen Erteilung nicht mehr um die Bezahlung seiner Stromrechnung kümmern muss. Zudem bucht der Stromversorger frühestens am vereinbarten Fälligkeitsdatum ab, während bei einer Überweisung das Geld am Stichtag beim Lieferanten eingegangen und entsprechend früher überwiesen werden muss. Auch für den Versorger stellt eine Einzugsermächtigung eine Vereinfachung der Bearbeitung des Zahlungsverkehrs dar und führt zu Kosteneinsparungen. Überweisungen lassen sich zwar durchaus maschinell bearbeiten, häufig falsch angegebene Kundennummern führen jedoch ebenso wie unnötige Angaben im Zuordnungsfeld des Überweisungsträgers sehr oft zu kostspieligen manuellen Nachbearbeitungen.Da vom Kunden selbst veranlasste Überweisungen zudem oft verspätet eingehen, bevorzugen die meisten Stromanbieter die Zahlung per Einzugsermächtigung.
Darf der Versorger aber darauf bestehen, dass der Kunde ihm die Abbuchung der Stromkosten vom Girokonto erlaubt? Im Rahmen der Grundversorgung besteht eine Versorgungspflicht gegenüber jedem Kunden, so dass der Pflichtanbieter auch Kunden beliefern muss, welche keine Einzugsermächtigung erteilen wollen. Außerhalb des Grundversorgungsgebietes und bei Sonderverträgen innerhalb des Pflichtversorgungsraums kann ein Anbieter darauf bestehen, dass ihm bei Vertragsabschluss eine Einzugsermächtigung erteilt wird und den Vertragsabschluss ablehnen, wenn der potentielle Kunde auf dem Zahlen der Stromrechnung mittels eigener Überweisung besteht. Nach dem Abschluss des Vertrages kann der Kunde jedoch eine erteilte Einzugsermächtigung jederzeit zurückziehen. Da der Entzug der Einzugsermächtigung ein nicht ausschließbares Recht des Kunden darstellt, berechtigt dieser den Versorger nicht zu einer außerordentlichen Vertragskündigung.
Die Sonderverträge einiger Versorger enthalten eine Klausel, wonach im Fall eines Entzugs der Einzugsermächtigung eine Bearbeitungsgebühr pro Überweisung mit der Jahresrechnung berechnet werden darf. Bislang setzen sie in der Praxis diese Gebühr noch nicht um; der entsprechende Passus im Vertrag bewirkt aber, dass die meisten Kunden eine Einzugsermächtigung erteilen.

Gibt es einen Durchschnittsverbrauch je Haushalt?

Für den Stromverbrauch privater Haushalte hat nahezu jeder Versorger ebenso Durchschnittswerte errechnet wie der Verband VDEW. Die Werte unterscheiden sich deutlich, so wird für den Ein-Personen-Haushalt ein jährlicher Verbrauch in Höhe von 1400 bis 2000 kWh angegeben. Bedeutsam für die unterschiedlichen Durchschnittsverbräuche ist, ob die Warmwasserbereitung und die Heizung mit eingerechnet sind.

Ohne die Einrechnung von Verbräuchen für warmes Wasser und Heizung werden folgende Bandbreiten eines durchschnittlichen Jahresstromverbrauchs angegeben:

Ein-Personen-Haushalt: 1450 bis 1800 kWh
Zwei-Personen-Haushalt: 2400 bis 2800 kWh
Drei-Personen-Haushalt: 3500 bis 3900 kWh
Vier-Personen-Haushalt: 4250 bis 4500 kWh

Das Ansteigen des durchschnittlichen Stromverbrauchs bei einer zunehmenden Zahl an Haushaltsmitgliedern erklärt sich recht einfach, da jeder Bewohner Strom für die Waschmaschine verbraucht und auch die meisten anderen elektrischen Geräte bei einer größeren Anzahl an Haushaltsmitgliedern häufiger laufen. Dabei sind Kinder mitzuzählen, schließlich verursachen Babys und Kleinkinder relativ lange Waschmaschinen-Laufzeiten.

Die Durchschnittsverbräuche sind in den letzten Jahren gestiegen, obgleich die meisten Haushaltsgeräte sparsamer geworden sind. Eine wichtige Ursache für den zunehmenden Verbrauch ist die häufigere Verwendung vorhandener Unterhaltungselektronik. Des Weiteren nimmt die Computernutzung zu und die meisten Menschen schalten eher ihr Fernsehgerät als ihr Radio zur Unterhaltung ein.

Von Bedeutung sind die Durchschnittsverbräuche nicht zuletzt für die Festlegung des Abschlags bei Neukunden, von denen dem Versorger keine Verbrauchswerte vorliegen. Dass die gemessenen Zahlen im Einzelfall deutlich unter- oder überschritten werden können, zeigt bereits die Uneinheitlichkeit der erhobenen Daten.
Von sehr großer Bedeutung ist die Häufigkeit des Aufenthalts in der eigenen Wohnung. Wer arbeiten geht und warme Mahlzeiten überwiegend in der Betriebskantine einnimmt, hat einen deutlich geringeren Energieverbrauch als ein Arbeitsloser, der den überwiegenden Teil des Tages zu Hause verbringt.

Für die Warmwasserbereitung lassen sich bei einem Mehrpersonenhaushalt durchaus bis zu 500 kWh jährlich als Verbrauchswert annehmen, während sich der Zusatzverbrauch einer Nachtspeicherheizung nach der beheizten Fläche richtet.

EEG – Erneuerbare-Energien-Gesetz

EEG ist die Abkürzung für das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Dieses Gesetz schreibt den Vorrang erneuerbarer Energieträger bei der Energieerzeugung vor und verpflichtet die Netzbetreiber, den entsprechend erzeugten Strom vorrangig in ihre Stromnetze einzuspeisen.
Die Netzbetreiber müssen ihre Netze zugleich dazu ertüchtigen, den gesamten mit alternativen Energieträgern erzeugten Strom ohne jede Einschränkung aufnehmen zu können.
Zugleich sind sie verpflichtet, den Einspeisern eine vom Gesetzgeber festgelegte Einspeisevergütung zu zahlen, diese ist höher als der Verkaufspreis der Energie. Auf diese Weise wird die dezentrale Einrichtung von Anlagen zur alternativen Stromerzeugung gefördert.

In der Öffentlichkeit wird das EEG hinsichtlich des in ihm definierten Vorranges erneuerbarer Energien nur sehr wenig diskutiert. Die öffentliche Diskussion dreht sich vielmehr überwiegend um die Frage der Weitergabe der durch das EEG entstehenden Kosten an den Endverbraucher. Für jedes Jahr wird ein Wert ermittelt, welcher als EEG-Beitrag in die Kalkulation des Strompreises einfließt, auf der Rechnung ist der entsprechende Preisanteil gesondert auszuweisen. Der entsprechende Wert ändert sich jährlich zum ersten Januar. Sehr viele Versorger haben auch in die Geschäftsbedingungen ihrer mit einer Preisgarantie ausgestatteten Tarife einen Passus eingefügt, wonach sie die Belastungen aus dem Erneuerbare-Energie-Gesetz an ihre Kunden weitergeben dürfen, so dass die Preise bei einer gestiegenen EEG-Umlage ansteigen können. Im Gegenzug sind sie selbstverständlich verpflichtet, auch eine gesunkene EEG-Belastung an ihre Kunden weiterzugeben. Der gewünschte Ausbau der Stromerzeugung mittels alternativer Energien hat in den letzten Jahren zu einem regelmäßigen Anstieg der Belastung des Strompreises durch das EEG geführt, für das Jahr 2011 beträgt die EEG-Umlage einheitlich für das Bundesgebiet 3,530 Cent pro Kilowattstunde.

Verbraucherverbände kritisieren, dass die Energieversorger die Kosten der gestiegenen EEG-Umlage sofort einpreisen, während sie mit der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energie verbundene Kostensenkungen bei ihrer Preisgestaltung nicht berücksichtigen.
Dauerhaft wird die Nutzung alternativer Energiequellen jedoch zu einer Senkung des Strompreises führen, da die entsprechenden Primärenergieträger unentgeltlich zur Verfügung stehen.

Zeitabhängige Tarife

Der Gesetzgeber hat alle Stromanbieter dazu verpflichtet, mit Beginn dieses Jahres einen zeitabhängigen Tarif anzubieten. Eine verspätete Einführung der entsprechenden Tarife auf Grund technischer Schwierigkeiten wird geduldet, vermutlich ist Mitte des Jahres mit einer vollständigen Umsetzung zu rechnen.

Zeitabhängige Tarife belohnen die Verlegung des Stromverbrauchs in die Zeiten schwacher Auslastung. Die meisten aktuellen Angebote reduzieren den Strompreis in den späten Abendstunden sowie während der Nacht und an Wochenenden. Selbst große Anbieter wie die RWE schränken die Sparzeit jedoch ein, indem sie erklären, an Wochenfeiertagen aus technischen Gründen nicht auf den günstigeren Preis umschalten zu können.

Die gegenwärtigen Tarife mit festen Zeiten stellen eine Übergangslösung bei zeitabhängigen Stromtarifen dar. Die endgültige Ausbaustufe variabler Tarife für den Stromverbrauch umfasst einen ständig wechselnden Strompreis, welcher in erster Linie vom aktuell vorhandenen Stromangebot abhängig ist. Wenn alternative Energieträger den überwiegenden Teil des erzeugten Stroms produzieren, schwankt die zur Verfügung stehende Strommenge regelmäßig. Den Kunden zeitabhängiger Tarife soll dann der jeweils aktuelle Strompreis auf einem Display angezeigt werden, so dass sie entscheiden können, welche Geräte sie zu welchem Zeitpunkt einschalten. Die Industrie ist gefordert, programmierbare Haushaltsgeräte zu entwickeln, welche sich nur bei einem eingestellten günstigen Strompreis einschalten.

Für zeitabhängige Tarife ist ein gesonderter Stromzähler erforderlich, welcher den Verbrauch auf mehreren Zählwerken misst. Bei den derzeitigen Tarifen mit zwei Preisvarianten reichen zwei Zählwerke aus, in Zukunft sollen weitere Preisstufen eingeführt werden. Vorstellbar sind sowohl Zähler mit einer größeren Anzahl an Zählwerken als auch Stromzähler, welche auf einem Zählwerk den Verbrauch messen und auf einem weiteren Zählwerk diesen direkt mit dem jeweils aktuellen Strompreis multiplizieren, so dass je Zähler ein Verbrauchs- und ein Kostenzählwerk vorhanden ist.

Der Kunde kann mit der Installation des Zählers sowie mit der Verbrauchserfassung wahlweise den Lieferanten oder ein von diesem unabhängiges Unternehmen beauftragen.

Wohngemeinschaften und die Stromrechnung

Wohngemeinschaften können ihre Stromverträge auf unterschiedliche Weise abschließen. Wenn der Vermieter mit jedem Mitglied der WG einen gesonderten Mietvertrag abschließt und über den Einzug neuer Bewohner entscheidet, meldet er in der Regel den Stromanschluss auf seinen Namen an und rechnet die Stromkosten im Rahmen der jährlichen Nebenkostenabrechnung mit den Mietern ab.

In einer selbst über den Einzug neuer Mitglieder entscheidenden Wohngemeinschaft ist diese üblicherweise für den Abschluss eines Vertrages zur Stromlieferung verantwortlich. Dabei kann der Vertrag auf ein Mitglied oder auf mehrere Mitglieder der WG lauten, allerdings schränken die meisten Versorger die Anzahl der Vertragspartner pro Zähler auf zwei bis drei Personen ein; außerhalb des Pflichtgebietes ist nicht selten ein einziger Ansprechpartner Voraussetzung für den Vertragsabschluss.

In den meisten Wohngemeinschaften werden die Stromkosten auf alle Mitglieder gleichermaßen umgelegt. Diese Lösung ist oft unvermeidbar, da eine getrennte Verbrauchserfassung nicht vorgenommen wird. Fairer ist jedoch die konkrete Zuordnung der Verbräuche auf jeden Bewohner. Diese kann erreicht werden, indem für jedes Zimmer sowie für Gemeinschaftsräume ein Zwischenzähler zugeschaltet wird. Anschließend werden die Stromkosten für Gemeinschaftsräume auf alle Mitglieder der Wohngemeinschaft gleichermaßen aufgeteilt, während jeder Bewohner den Anteil für sein Zimmer alleine trägt. Zwischenzähler können im Baumarkt gekauft werden und dienen ausschließlich der internen Abrechnung.

Wenn ein im Stromliefervertrag namentlich genanntes Mitglied die Wohnung verlässt, sind die Kündigung der Stromlieferung und der Abschluss eines neuen Vertrages erforderlich; das bloße Streichen eines Namens ohne Erstellung einer Schlussabrechnung ist aus rechtlichen Gründen nicht zulässig.
Wenn ein nicht namentlich im Vertrag aufgeführter Bewohner aus einer Wohngemeinschaft auszieht, muss nicht zwingend eine Schlussabrechnung erstellt werden. Zur Vermeidung von Streitigkeiten hinsichtlich der Stromabrechnung ist es jedoch sinnvoll, eine Zwischenrechnung anzufordern.

Strom-Direktheizungen

Elektro-Direktheizungen oder auch Strom-Direktheizungen werden mit Strom betrieben und geben die erzeugte Wärme direkt an den zu beheizenden Raum ab. Sie sind moderner und leistungsfähiger als herkömmliche Heizstrahler, welche neben einem hohen Stromverbrauch zusätzlich den Nachteil aufweisen, dass sie mit der Raumluft Staub aufwirbeln und neu verteilen.

Moderne Strom-Direktheizungen werden in der Regel fest eingebaut, auf Rollen fahrbare Modelle sind aber ebenso möglich. Eine besonders komfortable Raumerwärmung bietet die Fußbodenheizung, bei welcher Heizschlangen unter dem Fußboden verlegt werden. Eine Fußbodenheizung ist besonders für Wohnräume ideal, da sie den Bewohnern auch warme Füße verschafft. Dank der flachen Bauweise benötigen Konvektoren keine Stellfläche, so dass die gesamte Fläche des Zimmers für Wohnzwecke zur Verfügung steht.

Strom-Direktheizungen sind komfortabel und in der Endanwendung sauber. Die gesamte Energiebilanz fällt allerdings schlechter als bei anderen Energieträgern aus, da Strom zunächst aus Primärenergien gewonnen werden muss. Eine umweltgerechte Verwendung von Strom zu Heizzwecken setzt den Bezug der gesamten Strommenge aus erneuerbaren Energien voraus. Entsprechende Ökostrom-Tarife werden von nahezu allen Versorgern angeboten, sie verteuern das ohnehin kostspielige Heizen mit Strom jedoch zusätzlich. Für den Mieter einer Wohnung ist die direkte Abrechnung seines Energieverbrauches für die Heizung mit dem Stromlieferanten bequem.

Während für Nachtstromheizungen nahezu alle Grundversorger besondere Tarife anbieten, gewähren einige große Versorger wie die RWE keine gesonderte Messung und Abrechnung der für eine Direktheizung bezogenen Strommenge. Einige Stadtwerke geben den für Heizzwecke verwendeten Strom vergünstigt ab, wofür jedoch die Installation eines zusätzlichen Zählers erforderlich ist. Eine Versorgung mit vergünstigtem Strom außerhalb ihres Grundversorgungsgebietes bieten die Lieferanten bislang grundsätzlich nicht an, aus Kostengründen ist eine reduzierte Durchleitungsgebühr des jeweiligen Netzbetreibers sowie die getrennte Messung für diese zwingend erforderlich.
Direktheizungen unterliegen im Gegensatz zu Nachtspeicherheizungen keinen Laufzeitbeschränkungen und können auch in Neubauten installiert werden, sofern keine Fördermaßnahmen für den Einbau besonders umweltfreundlicher Heizungen in Anspruch genommen werden.